Ausflug zur Samaria - Schlucht

Definitiv der längste Tag meines Urlaubs. Noch vor sechs Uhr aufstehen, da die Fahrt zur Schlucht, die an der Südküste liegt, knapp drei Stunden dauert. Der Reiseleiter gab skurril anmutende Verhaltensregeln aus, aber sicher kommen sie aus leidvoller Erfahrung - die WCs an den Rastplätzen zu nutzen, die Eintrittskarte nicht zu verlieren, da am Schluchtausgang nochmals kontrolliert wird (damit niemand verloren geht), nicht in die Berge kraxeln, nicht im Fluss baden oder Füße waschen, da er das Trinkwasser für die Ortschaft am Schluchtausgang liefert. Der Einstieg beginnt auf ca. 1600 Metern Höhe. Die Schlucht ist gute 13 Kilometer lang und liegt in einem Nationalpark.

Das Panorama ist atemberaubend, die Luft unbeschreiblich gut. Die ersten Kilometer geht der Weg steil nach unten, dort überwindet man die Hälfte der Höhenmeter. Dann verläuft er größtenteils am Flussbett entlang oder darin, weswegen die Schlucht im Winter auch nicht begangen werden kann. Wo jetzt ein Flüsschen plätschert, rauscht dann ein reißender Fluss die Schlucht hinunter. Als das Gebiet 1962 zum Nationalpark erklärt wurde, mussten die zwei Ortschaften, die sich in der Schlucht befanden, umsiedeln. Samaria (Sankt Maria) liegt nun oberhalb, Agia Roumeli unterhalb der Schlucht. Früher wurde dort Holz geschlagen und im Herbst, wenn das Wasser zurückkehrte, wurden die Stämme hintunter getrieben. An der engsten Stelle befand sich ein Sägewerk, mit Wasserkraft betrieben, wo die Stämme zersägt wurden.

Überhaupt ist die Schlucht seit dem Neolithikum besiedelt gewesen, man hat dort in Höhlen entsprechende Spuren gefunden. Wegen ihrer Unzugänglichkeit spielte sie eine traurige Rolle als Rückzugsgebiet für Rebellen während der diversen Besatzungen der Insel. Auch die Kri-Kri-Ziegen, eine alte, vom Aussterben bedrohte Wildziegenrasse, hat nun dort ein Refugium gefunden. Sie sehen ein bisschen aus wie Steinböcke, mit beige-brauner Fellfarbe und dem Wildtieren so oft eigenen Aalstrich.

An der engsten Stelle nähern sich die Schluchtwände auf bis zu vier Meter einander und steigen über 300 Meter steil hoch. Sehr beeindruckend. Überall wachsen Kräuter, die Luft ist erfüllt davon, und Oleander sprießt wie Unkraut. Um Trinkwasser braucht man sich keine Sorgen zu machen, überall sprudeln kleine Quellen. Der Rest des Weges führt durch die z.T. uralte, z.T. neu besiedelte Ortschaft bis zum Lybischen Meer. Ist man dort angekommen, hat man etwa 16 Kilometer großartigster Natur durchwandert - und eine ordentliche Kraxeltour hinter sich gebracht. Meine Turnschuhe kann ich jetzt wegwerfen, und ich würde die Tour auch nur mit wirklich festem Schuhwerk wiederholen.

In Agios Roumeli besteht der Strand aus schwarzem Kies, und das Bad im Meer tat so unglaublich gut. Der Ort ist nur vom Wasser aus (oder zu Fuß durch die Berge) erreichbar, und so ging es dann mit der Fähre nach Chora Sfakion, wo der Bus wartete. Die Küste ist hier so unglaublich viel schroffer und abweisender als die im Norden. Als früherer Seefahrer kam einem das sicher mehr als abweisend vor... Fünfeinhalb Stunden haben wir für die Wanderung gebraucht, mit moderaten Pausen und vielen Unterbrechungen für Fotos. Am nächsten Tag erinnerten mich vor allem meine Waden an den Ausflug, und meine Kniegelenke. Aber schön war's schon.

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