Ausflug zu den Kreidefelsen

Frühmorgens geht es los, es ist so nebelig, dass man kaum hundert Meter weit sieht. Und plötzlich ist er da, der Altweibersommer, in dem jeder Baum und jeder Strauch plötzlich in Gespinst gehüllt ist, umwoben von zart glitzernden Fäden. Fast winterlich sieht es aus. Dennoch hoffe ich, dass die Sonne die Feuchtigkeit größtenteils vertrieben hat, bis ich ankomme.

Oben auf dem Königsstuhl im Nationalpark Jasmund angekommen, erwartet mich wieder Sonnenschein. Das macht den Anblick der majestätischen weißen Felsen auch noch beeindruckender. Ich bin wieder einmal sehr froh über die Nebensaison und beginne die Wanderung entlang der Küste, durch unberührten Buchenwald und immer wieder vorbei an malerischen Aussichten auf die Klippen.

Das Wetter ist allerdings nur oben sonnig, je tiefer ich komme, desto nebliger wird es - wie verzaubert ziehen die weißen Schwaden von den Felsen in den Wald hinein. In Sassnitz angekommen, ist es regelrecht ungemütlich feucht. Dennoch erkunde ich den kleinen historischen Kern, der umgeben ist von einer (kleinen) Industriestadt. "Denn nach Rügen reisen heißt nach Saßnitz reisen.", sagt Baron von Instetten im Roman Effi Briest von Fontane. Aber auch hier ist das Buch veraltet, heute muss man nicht mehr unbedingt nach Sassnitz reisen. Wenigstens der Bus fährt von dort regelmäßig - durch dichten Nebel.

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