Ausflug nach Prora

Durchgefahren bin ich mehrfach durch Prora, und immer fragte ich mich, wo denn die baulichen Ungetüme aus dem Dritten Reich wohl seien. Denn Prora ist hauptsächlich eine Straße, gesäumt von dichtem Wald. Man fährt an einem Bahnhof vorbei, einigen Häusern und ansonsten - Wald. Erst als ich dann tatsächlich aussteige und zu Fuß weitergehe, stoße ich rasch darauf.

Für 20.000 Menschen sollte dort ab 1938 ein Urlaubsort geschaffen werden, damit die Arbeiter, denen alle politische Macht genommen war, mit Freizeitangeboten bei Laune gehalten würden. Vom Reißbrett wurden 5 identische Wohnblocks im nationalsozialistischen Monumentalbau an einen wunderschönen Strand gesetzt. Und genauso sieht es auch aus. Trostlos wirkt es auf mich, als ich daran entlang laufe, wie eine gigantische Kaserne. Der große Festplatz (bzw. was davon übrig ist), erschlägt einen mit seinen wuchtigen Bauten. Mir unvorstellbar ist der Geist, der sich so etwas ausdenkt - Zeugnis eines Wahnsinns, der gar nicht so weit in der Vergangenheit liegt, und der in seinem Detail und seiner Zielstrebigkeit mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. "Kraft durch Freude" war das Motto, aber es wirkt mehr wie ein Drillplatz. Das in einem der Häuser untergebrachte Dokumentationszentrum Prora informiert sehr interessant über die Geschichte des Ortes, aber auch über Rügen und deren Bewohner in der Nazizeit.

Die Bauten wurden nie komplett fertiggestellt. Der Krieg machte das Baumaterial und mögliche Urlauber knapp. Ein Teil wurde militärisch genutzt, nach dem Krieg dann von der NVA, nach dem Mauerfall von der Bundeswehr, heute wird versucht, dort eine Nutzung mit kulturellen, touristischen und künstlerischen Aspekten anzusiedeln. Das Dokumentationszentrum bangt derzeit um sein Überleben, denn die Räumlichkeiten wurden von einer Museumsstiftung gekauft, die kein Interesse an Geschichte hat. Stattdessen wird es dort wohl bald ausgestopfte Vögel zu sehen geben.

Tröstlich unordentlich und rumpelig ist es dagegen in einem Buchladen / Trödelmarkt, in den ich mich vor einem Schauer flüchte. Sollte aus dem Kaffeeservice von Oma ein Unterteller kaputt sein, würde man ein Ersatzstück hier sicher finden. Schallplatten, Bücher, alte Elektrogeräte und Spielzeug machen das Chaos komplett. Und zur Erholung gibt es Kaffee und den unvermeidlichen Sanddornsaft.

Trotzdem bin ich froh, als ich diesen Ort verlassen kann, der da so ungeahnt hinter den Kiefern liegt. Mehr dazu gibt es auf den Seiten des Dokumentationszentrums.

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